Bundesamt für Naturschutz

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Naturschutz, Artenschutz, Monitoring, Luchs

77 Luchse leben in Deutschland

  • BfN veröffentlicht aktuelle Daten aus dem Monitoringjahr 2016/2017
  • Zahl der erfassten Todesfälle nimmt im Vergleich zu Vorjahren ab
Eurasischer Luchs (Foto: Manfred Nieveler/piclease)

Eurasischer Luchs (Foto: Manfred Nieveler/piclease)

Bonn, 15. Februar 2018: Aktuell leben 77 Luchse in Deutschland – überwiegend im Harz und im Bayerischen Wald. Das geht aus der Auswertung der jährlichen Erhebung der Bundesländer hervor. Erstmals wurde in der Auswertung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) auch der Bestand aus einem laufenden Wiederansiedlungsprojekt im Pfälzerwald erfasst.
„Trotz jährlich nachgewiesenem Nachwuchs zeigt der Gesamtbestand des Luchses in Deutschland seit Jahren leider kaum Zuwachs. Auffällig ist vor allem, dass über das Kernvorkommen im Bayerischen Wald hinaus trotz zahlreicher prinzipiell für den Luchs geeigneter Lebensräume, keine weitere Ausbreitung zu verzeichnen ist. Vor allem durch den Straßenverkehr ist die Art gefährdet. Aber auch illegale Tötungen und Krankheiten stellten in den vergangenen Jahren ein Problem für den Luchs dar“, sagt BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.
Die Zahl der Luchse, die bereits vom Muttertier unabhängig sind, ist im Vergleich zum Vorjahr von 70 Individuen auf 77 Individuen angestiegen. Die leichte Bestandszunahme ist auf die Wiederansiedlungen von Luchsen im Pfälzerwald zurückzuführen. Im Monitoringjahr 2016/17 wurden zudem 37 Jungtiere und damit mehr Nachwuchs als in den Vorjahren erfasst. Die Zahl der totgefundenen Luchse ist dagegen mit nur vier bekannt gewordenen Fällen im Vergleich zu 22 Fällen im Vorjahr deutlich gesunken. Eine deutlich höhere Dunkelziffer ist allerdings wahrscheinlich.
Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) ist in Deutschland streng geschützt. Nachdem er lange Zeit aus seinem heimischen Lebensraum verschwunden war, gibt es heute wieder zwei voneinander isolierte Vorkommen in der Region des Harzes und im Bayerischen Wald. Heutige Luchsvorkommen gehen auf Wiederansiedlungsprojekte in den vergangenen Jahrzehnten und auf aus Nachbarländern zugewanderte Tiere zurück. In Rheinland-Pfalz läuft gegenwärtig ein weiteres Wiederansiedlungsprojekt. In Baden-Württemberg wurden mehrere männliche Luchse nachgewiesen, die aus der Schweiz zugewandert sind. Bislang gibt es dort noch keinen Nachweis von Reproduktion. Auch in Sachsen wurde ein einzelner Luchs nachgewiesen.
Der Luchs ist in Deutschland weiterhin in einer ungünstigen Erhaltungssituation und wird auf der Roten Liste als stark gefährdet gelistet. Die häufigsten nachgewiesenen Todesursachen sind Verkehrsunfälle, Krankheiten und illegale Tötungen. In vielen Fällen blieb die Ursache unbekannt.
Luchse benötigen einen möglichst störungsarmen und unzerschnittenen waldreichen Lebensraum. Sie brauchen große Reviere mit ausreichend gegen Wind und Regen geschützten Rückzugsorten. Im Nahrungsspektrum der Luchse machen Rehe den größten Anteil aus, Haus- und Nutztiere bilden nur einen geringen Anteil.

Hintergrund
Das bundesweite Monitoring liefert wichtige Daten zum Bestand und Vorkommen des Luchses in Deutschland und geht auf eine Erhebung der Bundesländer zurück. Das jährliche Monitoring läuft jeweils vom 1. Mai bis 30. April des darauffolgenden Jahres und deckt sich mit dem biologischen Jahr des Luchses. Die erhobenen Daten werden bei einem Treffen der im Monitoring erfahrenen Personen von Bund und Ländern bewertet und zusammengeführt.
Die Erfassungsmethodik und Auswertung der Daten erfolgt nach durch den Bund und die Länder abgestimmten, einheitlichen Monitoringstandards. Als nachgewiesene Luchse zählen Individuen, die z.B. mittels Foto oder Genetik zweifelsfrei von Artgenossen unterschieden werden könnten. Berichtet wird die Anzahl der Luchse, die bereits vom Muttertier unabhängig sind (subadulte und adulte Individuen), sowie die Zahl der Jungtiere.

Weiterführende Informationen:
Eine Karte mit aktuellen Luchsvorkommen steht unter www.bfn.de/presse/hintergrundinfos.html zum Download zur Verfügung.
Informationen zum Luchs:
https://ffh-anhang4.bfn.de/arten-anhang-iv-ffh-richtlinie/saeugetiere-sonstige/luchs-lynx-lynx.html
Informationen zum Monitoring und Management von Großraubtieren in Deutschland: https://www.bfn.de/themen/artenschutz/gefaehrdung-bewertung-management/management-von-grossraubtieren-in-deutschland.html#c201563


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Letzte Änderung: 18.04.2018

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