Bundesamt für Naturschutz

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Naturerfahrungsräume in Großstädten am Beispiel Berlin

Hintergrund

Das Spielen mit losen Astmaterial im Naturerfahrungraum ist bei Kindern sehr beliebt.
Zu sehen sind Kinder, die mit Ästen spielen

Eine umwelt- und sozialgerechte Verteilung von Grünflächen bzw. ein sozialgerechter Zugang zu Natur ist besonders für Kinder und deren Entwicklung wichtig. Positive Naturerfahrungen für Kinder stärken das Lebensgefühl, schulen die sinnliche Wahrnehmung und das ästhetische Empfinden, fördern Konzentrations-, Wahrnehmungs- sowie motorische Fähigkeiten. Naturerfahrungsräume in Städten leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Gleichzeitig sind sie Lebensraum für eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten.

Das Projekt

Lehmhügel und Kiesflächen sind Bestandteil der Naturerfahrungsräume
Zu sehen sind spielende Kinder auf einem Kieshügel

Ziel des Projektes ist es, dem zunehmenden Verlust von Naturkontakten von Kindern entgegenzuwirken. Anhand von drei Pilotflächen werden die Nutzungspotenziale von Naturerfahrungsräumen (NER) sowie das integrative Potenzial von Natur aufgezeigt. Die Pilotflächen wurden umwelt- und sozialgerecht ausgewählt. Neben dem Spiel- und Erlebniswert sowie dem Zustand der Flächen, der naturbelassen und strukturreich sein soll, war auch ausschlaggebend, dass die Flächen in Stadtquartieren mit besonderem Entwicklungsbedarf bzw. mit geringerer sozialer Teilhabe liegen.

NER-Flächen sollen sich sowohl durch natürliche Vorgänge als auch durch die kindliche Nutzung ständig verändern. Die Kinder sollen diese Flächen mitgestalten, denn das gibt ihnen ein Gefühl für ihre Selbstwirksamkeit, sie fühlen sich ernst genommen und beginnen, die Folgen ihres Handelns zu begreifen. Obwohl es bei dem Konzept der NER grundsätzlich um freies, unbeobachtetes Spiel geht, gibt es für jede Fläche sogenannte „Kümmerer“, die das Konzept der NER und auch jede einzelne Fläche in Gestalt und Funktion erklären und bekannt machen. Ihre Aufgabe ist es, Berührungsängste abzubauen und die „wilden“ Flächen mit den Menschen der umgebenden Wohnsiedlungen zusammen zu bringen. NER werden neben Kindergärten auch von Grundschulen genutzt. Hier ist das freie Spiel für die Kinder ein guter Ausgleich zum schulischen Alltag, da hier andere Kompetenzen gefragt sind. Diese erlangen die Kinder in den NER auf niederschwellige und spielerische Art.


Auf Bäume klettern bringt körperliche Herausforderungen und Naturerfahrung.
Zu sehen sind zwei Kinder auf einem Baum

Naturerfahrungsräume können einen Beitrag zur biologischen Vielfalt leisten. Dies geschieht generell durch intensiv und extensiv bespielte Bereiche sowie durch extensive Pflege bzw. das Zulassen von freier Vegetationsentwicklung. Durch unterschiedliche Sukzessionsstadien und durch Ruderalfluren in den intensiv bespielten Bereichen kann die Lebensraum- und Artenvielfalt im Vergleich zu herkömmlichen Grünanlagen erhöht werden. Im Sinne der Strategie zur biologischen Vielfalt ist eine umwelt- und sozialgerechte Verteilung von Grünflächen bzw. ein sozialgerechter Zugang zu Natur wichtig.

Das Vorhaben wird von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde wissenschaftlich begleitet, um Erkenntnisse zu Nutzergruppen, Nutzerverhalten, Anregungs- und Einwirkungsmöglichkeiten, zu notwendigem Betreuungs- und Kontrollbedarf, zu Pflege und Entwicklung sowie zur ökologischen Bedeutung der NER zu erhalten. Die Erkenntnisse werden in einem praxisorientierten Leitfaden für die Öffentlichkeit aufbereitet.

Ausblick

Große Findlinge haben als „Naturspielgeräte“ eine anziehnde Wirkung auf Kinder
Zu sehen ist ein Kind vor größeren Findlingen

Um dem Konzept der NER bundesweit größere öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen und letztlich im städtischen Grün zu verankern, wird ein Netzwerk bestehend aus den Akteuren in Kommunen, des Naturschutzes und der Kinder- und Jugendarbeit das Thema NER auch künftig begleiten. Ziel ist, einen Interessenverband zu gründen, der dafür eintritt, dass NER fester Bestandteil im städtischen Freiraumsystem werden und eine adäquate Berücksichtigung in der Stadtentwicklungs- und Bauleitplanung finden. Damit wird ein Beitrag zur Verbesserung der biologischen Vielfalt in urbanen Gebieten geleistet.

Publikationen/weiterführende Links

Laufzeit

01/2011 - 02/2012 (Voruntersuchung)

08/2015 - 08/2018 (Hauptvorhaben)

10/2015 - 04/2020 (wissenschaftliche Begleitung)

Förderprogramm

Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben

Gefördert vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie durch den Bezirk Pankow und die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Berlin.

Vom Landesbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege Berlin unterstützt.

Fachbetreuung im BfN

Jens Schiller, Fachgebiet II 4.1

Weitere Informationen

Letzte Änderung: 04.06.2018

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