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Naturschutzgroßprojekt „Natur- und Kulturlandschaft zwischen Siebengebirge und Sieg – Chance7“

Hintergrund

Das überregional bekannteste Fördergebiet im Projekt ist das Naturschutzgebiet Siebengebirge mit seinen prächtigen Buchen(misch)wäldern (Foto: Volker Scherfose)
Auf dem Bild siehr man einen schönen bunten Herbstbuchenwald.

Zwischen Siebengebirge und Sieg verläuft eine Mittelgebirgs- und Vulkanlandschaft von nationaler Bedeutung. Die Region liegt im Grenzbereich zweier europäischer Großklimate, denn hier stoßen die atlantische und die kontinentale Klimazone aufeinander. Um diese außergewöhnliche Natur mit ihren Arten und Lebensräumen zu schützen und weiter zu entwickeln, wurde das o. g. Naturschutzgroßprojekt ins Leben gerufen. 

Das Projektgebiet wird etwa zur Hälfte von heimischen Laubwäldern bedeckt, wie z. B. den Waldmeister- und Orchideen-Buchenwäldern, den Auen und Moorwäldern. Hier leben seltene Arten wie die Wildkatze und der Schwarzstorch: Ebenso bieten die Streuobstwiesen dem Steinkauz und die Felsen und Steilhänge der Mauereidechse einen Lebensraum. Die vielen Pflanzen- und Tierarten in der Region sind bemerkenswert; allein im Siebengebirge kommen auf 4.800 ha rund 730 Pflanzenarten vor. 

Das Projekt

Ausschnitt der Amphibienschutzanlage mit Durchlass (Foto: Martin Jacobi)
Auf dem Foto ist eine Amphibienschutzanlage mit Durchlass abgebildet.

Das Projekt hat zum Ziel, verschiedene Lebensräume der im Gebiet heimischen Tiere und Pflanzen stärker zu vernetzen (Stärkung des „regionalen Biotopverbunds“) und  gefährdete bzw. schützenswerte Lebensräume zu fördern. Hiermit sollen auch die Vorkommen bestimmter Ziel- und Leitarten unterstützt werden. Seit Projektbeginn wurden bereits umfangreiche Flächen erworben, um mit den Maßnahmen für den Biotopverbund zu beginnen, von welchen einige bereits umgesetzt wurden. 


Dazu zählen z. B. der Bau einer 1600 m langen Amphibienschutzanlage oder die Renaturierung von vier erworbenen Teichanlagen. Zudem sollen mehrere Stillgewässer aufgewertet oder neu angelegt werden. Ziel ist es u. a., dass sich hier die Gelbbauchunke wieder ansiedelt. Um die Populationen von Stein- und Edelkrebsen zu erhalten, wurden bereits Jungtiere gezüchtet und in verschiedene Gewässer im Siebengebirge eingesetzt. 

Bundesweit stark gefährdet, der Lungenenzian - eine Charakterart der Feuchtheiden.
(Foto: Georg Persch)
Das Foto zeigt eine Großaufnahme von Heide und Lungenenzian.

Maßnahmen, um die Lebensräume spezialisierter Tiere und Pflanzen weiter zu entwickeln, umfassten beispielsweise die Wiederherstellung einer Feuchtheide. Hier soll sich der seltene Lungenenzian ansiedeln. Hinzu kommen Renaturierungsmaßnahmen für Fließgewässer oder Maßnahmen, um invasive Pflanzenarten zu bekämpfen, die der heimischen Natur schaden könnten. Diese Maßnahmen werden z. T.  mit der Neueinrichtung extensiver Beweidungssysteme im Auengrünland und Waldumbaumaßnahmen kombiniert. Auch ein Programm zum Erhalt von Alt- und Totholz wurde gestartet. 

Um die vorhandenen Obstwiesen im Projektgebiet zu schützen und zu entwickeln, wurden 30 sogenannte Obstbaumwarte ausgebildet. Sie sollen sich künftig u.a. um die nachgepflanzten Obstbäume alter Sorten und die neu angelegten Obstwiesen kümmern. Es ist geplant, noch weitere Obstbaumwarte auszubilden.

Blick auf den Eulenberg See (Foto: Georg Persch)
Auf dem Foto sieht man Wald und Uferbepflanzung und in der Mitte den Eulenberger See.

Ausblick

Eine der Zielarten von Projektmaßnahmen – der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Foto: piclease/A. Schuster)
Auf dem Foto sieht man eine Großaufnahme des dunklen Wiesenkopf-Ameisenbläuling.

Nach und nach werden die bereits bestehenden Maßnahmen auf weitere Bereiche des Fördergebiets ausgedehnt. Es sollen z. B. alte Mauern in den Weinbergen sowie Felsen freigelegt werden. Feuchtwiesen sollen wieder natürlicher werden. Zudem werden weitere Grundstücke erworben, auch im Rahmen begleitender Flurbereinigungsverfahren. Außerdem sollen die Maßnahmen durch Erfolgskontrollen begleitet werden.

Das Projekt und seine Umsetzung werden durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Hierzu gehören u. a. eine Webseite, Informationsbroschüren, die Durchführung von  Informationsveranstaltungen oder Führungen im Gelände. Später sollen auch Info-Punkte und Themenwege erstellt werden. Um die bisher große Akzeptanz in der Region bei zu behalten, werden Kommunen und Parlamente regelmäßig informiert.

Laufzeit

Projekt I: 1. Dezember 2010 – 31. Dezember 2013 (Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplans) 

Projekt II: 1. März 2015 – 28. Februar 2025 (Umsetzung der Maßnahmen)

Förderprogramm

chance.natur – Bundesförderung Naturschutz

Für die Umsetzungsphase werden seit 2015 für die insgesamt 10-jährige Laufzeit rund 14,7 Mio. € zur Verfügung gestellt, wobei der Bund 11,0 Mio. € und das Land Nordrhein-Westfalen 2,2  Mio. € übernehmen. Der Rhein-Sieg-Kreis als Projektträger beteiligt sich mit rund 1,5 Mio. €.

Projektträger

Rhein-Sieg-Kreis
Kaiser-Wilhelm-Platz 1
53721 Siegburg
Tel.: 02241/133658
Email: christoph.rothenwoehrer@rhein-sieg-kreis.de 

Beteiligte Partner

  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)/ Bundesamt für Naturschutz (BfN) 
  • Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Rhein-Sieg-Kreis 

Fachbetreuung im BfN

Dr. Volker Scherfose, FG II 2.3 "Gebietsschutz/Großschutzgebiete"

Letzte Änderung: 27.03.2018

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