Bundesamt für Naturschutz

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Insektenrückgang: Daten und Fakten

Bestand und Gefährdung

Wildbiene (Foto: Ingrid Altmann)
Wildbiene (Foto: Ingrid Altmann)

Insekten sind die artenreichste Gruppe aller Lebewesen: Sie stellen über 70% der Tierarten weltweit. Für den Erhalt der Biodiversität sind sie unersetzlich. Insekten sorgen für fruchtbare Böden und früchtetragende Pflanzen. Wirbeltieren wie Vögeln, Lurchen und vielen Säugetieren dienen sie als wertvolle Nahrungsquelle.

Doch sowohl die Gesamtzahl der Insekten und als auch die Vielfalt der Insektenarten haben in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland abgenommen. Die 2011 und 2016 vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) veröffentlichten Roten Listen zu den wirbellosen Tieren belegen diesen Negativ-Trend für zahlreiche Insektenarten anhand von bundesweit repräsentativen Daten. In den Bänden 3 und 4 der Roten Listen sind eine Vielzahl der in Deutschland nachgewiesenen Insektenarten erfasst und für jede einzelne kurz- und langfristige Bestandstrends dargestellt. Aus den langfristigen Trends geht beispielsweise hervor, dass 56,5 % der Ameisen, 52,2 % der Wildbienen und 44,7 % der Kleinschmetterlinge bestandsgefährdet sind. 

Auch regionale und internationale Untersuchungen wie die Langzeitstudie zur Veränderung der Biomasse von Fluginsekten in Schutzgebieten bestätigen diesen Trend (Hallmann et al. 2017). Das Autorenteam veröffentlichte dies 2017 im Fachmagazin PLoSONE. Es hatte Daten des Entomologischen Vereins Krefeld ausgewertet, die zwischen 1989 und 2014 an 63 verschiedenen Standorten gesammelt wurden. Die Forscher konnten zeigen, dass die Gesamtbiomasse der Fluginsekten in Deutschland bis 2014 um 76% zurückgegangen ist. Der Bestand an Großschmetterlingen sank beispielsweise um 56%. Einen besonders dramatischen Bestandsrückgang belegt eine noch unveröffentlichte deutsche Studie, der zufolge der Bestand an Schwebfliegen im bergischen Wahnbachtal um 84% sank.

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Gefährdungsursachen

Vielfältige Faktoren beeinflussen den Bestand und die Artenvielfalt von Insekten. So wirkt sich insbesondere die Intensivierung der Landwirtschaft auf die Vielfalt der Insekten aus, da diese zu einer Strukturverarmung der Landschaft sowie zu einem Rückgang des Blütenangebots für Bestäuber führt und viele Insekten dadurch ihre Nahrungsgrundlagen und Lebensräume verlieren. Das Nährstoffüberangebot, die Einengung der Feldfruchtwahl, die Homogenisierung und Vergrößerung der Schläge und der damit verbundene Rückgang von Randstrukturen und Blühstreifen, sowie die gestiegene Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sind einige wesentliche Einflussfaktoren (vgl. Agrarreport 2017).

Studien belegen, dass Insektizide aus der Gruppe der Neonikotinoide einen negativen Einfluss auf die Dichte der Wildbienen, auf das Nistverhalten von solitär lebenden Wildbienenarten und auf die Koloniegröße von Hummelarten haben und zudem die Reproduktionsfähigkeit der Arten einschränken (vgl. dazu u.a. EFSA 2018). Auch durch die zunehmende Fragmentierung der Landschaft zulasten unversiegelter, naturnaher oder natürlicher Flächen verlieren Insekten ihre Lebensräume. Der umfassenden Erforschung der Ursachen sind aktuell mehrere BfN-Projekte gewidmet.

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Folgen des Insektenrückgangs

Als Blütenbestäuber übernehmen viele Insektenarten eine der bedeutendsten Funktionen in Landökosystemen. Sie erhalten einen Großteil der Pflanzenwelt und sichern so auch unsere Lebensgrundlagen. Indem sie über 80 % aller Nutzpflanzen bestäuben, sorgen sie dafür, dass wir Obst und Gemüse ernten können. Nicht nur die Erntemenge, auch die Qualität ist von der Leistung der Blütenbestäuber abhängig. Ihre Ökosystemleistung in der Landwirtschaft wird für Deutschland auf einen Wert von 1,13 Mrd. Euro geschätzt (Leonhardt et al 2013).

Auch die positiven Effekte von Naturerfahrungen auf unsere Gesundheit und Lebensqualität sind wiederholt beschrieben worden (u.a. Gebhard 2010). Für viele Menschen ist die Natur ein Ort der Erholung und Regeneration, der etwa für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen von immenser Bedeutung sein kann. Durch ihre einzigartige Vielfalt an Formen, Farben und Lebensweisen bieten uns Insekten unzählige Möglichkeiten des Naturerlebens: Sei es durch ihr Summen und Zirpen im Sommer, durch den Anblick eines besonders schönen Schmetterlings oder die Beobachtung eines betriebsamen Ameisenvolkes. Insekten tragen somit wesentlich zum Naturerleben und Wohlbefinden des Menschen bei. Insekten tragen aber auch zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, zur Schädlingskontrolle und zur Regulation der Gewässerqualität bei. Für Vögel, Fledermäuse, Spitzmäuse und andere Tierarten sind sie zudem eine wichtige Nahrungsgrundlage. Der Insektenrückgang wirkt sich deshalb unmittelbar auf die Bestände dieser Artengruppen aus. So waren beispielsweise deutsche Brutvogelarten, die sich von Kleininsekten und Spinnentieren ernähren, im Zeitraum von 1998 bis 2009 von einem Artenrückgang von fast 50% betroffen; mehr dazu im Statusbericht „Vögel in Deutschland 2014“.

Aktivitäten des BfN im Überblick

Goldener Scheckenfalter (Foto: Andreas Zehm)
Goldener Scheckenfalter (Foto: Andreas Zehm)

Das Bundesamt für Naturschutz fördert und betreut Forschungsvorhaben zur Ursachenanalyse sowie zu den konzeptionellen, methodischen Grundlagen eines Insektenmonitorings in einer Reihe von Projekten. Weiterhin sollen am BfN die Datenlage zum Insektenrückgang durch die Unterstützung ehrenamtlicher Erfassungen und den Aufbau eines Insektenmonitorings verbessert, eine Vielzahl regionaler Daten zusammengeführt und öffentlich zugänglich gemacht werden. Mit Mitteln des Bundesumweltministeriums fördert das Bundesamt zudem zahlreiche Projekte und Maßnahmen zur Stärkung der Vielfalt der Insektenarten im Rahmen des „Bundesprogramms Biologische Vielfalt“ und begleitet diese wissenschaftlich. 

Aktuelle Projekte des BfN

  • Erstellung der Roten Listen Wirbellose (Bd. 3, 4 und 5), u.a. Schwebfliegen, Wildbienen, Wespen, Pflanzenwespen, Tagfalter, Spanner, Eulenspinner, Libellen, Laufkäfer (Band 3 2011, Band 4 2016, Band 5 in Arbeit)
  • Strukturierte Auswertung verfügbarer Literatur bzgl. Rückgang von Insekten und mögliche Ursachen, Aufzeigen von Forschungslücken und -bedarf, 2018

Vom BfN fachlich betreute und geförderte Vorhaben

Im „Bundesprogramm Biologische Vielfalt“ aktuell geförderte Projekte

Geplante Vorhaben mit Projektstart 2018

  • F+E: Konzeptentwicklung zum bundesweiten Insektenmonitoring, 2018 – 2019
  • F+E: Gefährdungsursachenanalyse für Tiere, Pflanzen und Pilze, 2018 – 2020
  • Vorbereitung des F+E Insektenmonitoring: Überblick über Monitoring- und Erfassungsmethoden von Insekten und Spinnentieren, Eignung und Aussagekraft, 2018

Abgeschlossene Projekte in den Medien

Zahlreiche vom BfN betreute und geförderte Projekte kommen der Insektenvielfalt zugute. Dazu gehört beispielsweise das Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben „Holsteiner Lebensraumkorridore“, das von 2008 bis 2015 durch die Stiftung Naturschutz in Schleswig-Holstein lief. Der NDR berichtete über das Projekt.

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Praktische Hilfe für Insekten

Wer sich aktiv für den Erhalt von Insekten einsetzen möchte, findet auf den Webseiten der Naturschutzverbände zahlreiche Tipps und Anleitungen, etwa auf den Seiten des NABU: Insekten konkret helfen – was jeder tun kann und des BUND: Hilfe für Wildbienen.

Der Entomologe und Wildbienenforscher Paul Westrich bietet auf seiner Website ebenfalls ausführliche Informationen zur Verbesserung des Nahrungsangebots für Insekten und zu Nisthilfen.

Das Umweltbundesamt informiert auf seinem Biozid-Portal über ungiftige Alternativen zu Biozidprodukten. Derartige alternative Methoden der Schädlingsbekämpfung tragen dazu bei, Mensch, Tier und Umwelt weniger Schadstoffen auszusetzen.

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Publikationen

Die Roten Listen zu den wirbellosen Tieren belegen einen Bestandsrückgang für zahlreiche Insektenarten in Deutschland.

Rote Liste Band 4: Wirbellose Tiere (Teil 2, 2016)
Rote Liste Band 4: Wirbellose Tiere (Teil 2, 2016)
Rote Liste Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1, 2011)
Rote Liste Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1, 2011)

Letzte Änderung: 22.02.2018

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